Die Suche nach einem Abstellplatz bzw. Grundstück für das Tiny House



Wie geht man das nun am besten an? Ich weiß es auch nicht, ich habe aber alles versucht, was mir eingefallen ist.
Was ich aber zuerst nicht wusste - es gibt eine sogenannte Bebauungsdichte. Davon hatte ich vorher noch nie gehört. Dass man nur auf ausgewiesenen Bauflächen bauen darf und nicht auf Grünflächen bzw. im Freiland, was natürlich am schönsten gewesen wäre, das war mir schnell bewusst. Aber ich dachte ganz naiv: ich brauche ja nur jemanden finden, der mir ein Stück von seinem Grund verkauft oder mir ein Stück verpachtet, z.B. einen Bauernhof. Aber die Flächenwidmung lässt das wieder nicht zu, da es landwirtschaftlicher Grund ist und man da nicht einfach ein Haus bauen darf, auch wenn es noch so klein ist.
Und die Bebauungsdichte ist „die Verhältniszahl, die sich aus der Teilung der Bruttogeschoßfläche der Geschosse durch die zugehörige Bauplatzfläche ergibt.“ Ähm, okay? Warte, was? Also grob gesagt, muss man bestimmt groß bauen. Man hat da einen relativ engen Spielraum. Die Bebauungsdichte variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Je mehr Einwohner und je weniger Baugrundstücke eine Gemeinde hat, desto mehr muss und darf verbaut werden.  So habe ich das verstanden. Wenn ich z.B. eine vorgeschriebene Bebauungsdichte von 0,2-0,3 habe, bedeutet das, dass ich auf einem Grundstück mit der Größe von 1000qm eine Wohnfläche von mindestens 200qm bauen MUSS und maximal eine Wohnfläche von 300qm bauen darf. Da kommt es noch drauf an, ob die Wandstärke mitgerechnet wird usw. Also was bedeutet das nun für einen Tiny House Bauer, wie mich? Ich dürfte bei meinen knapp 20qm Wohnfläche und  einer Bebauungsdichte von mindestens 0,2 ein Grundstück mit maximal 100qm haben! Hä? Wie soll das denn funktionieren? Baugrundstücke, die zum Kauf angeboten werden, haben eigentlich alle mindestens 500qm.
Eine dezente Verzweiflung stieg langsam in mir hoch. Also mal schnell ein Tiny House bei einem Bauern aufstellen ging nicht, ein so winziges Baugrundstück zu finden, war unmöglich, und Ausnahmen gab es keine. Ich verstehe, dass man nicht überall einfach bauen darf, obwohl ich es ehrlich gesagt, schon schön finde, wenn es dort und da kleine Häuser auch im Wald oder auf Wiesen gibt, solange die Natur dort unterstützt und gepflegt wird. Von Gabionen und Steinwüsten halte ich nichts, ich sehe es eher als Verbrechen! Wenn jemand nichts mit dem Grünzeug anzufangen weiß, okay, aber dann alles einfach zu versiegeln, sollte verboten werden. Entschuldigt, ich schweife ab... Ich wollte eigentlich sagen, dass ich nicht verstehe, warum man groß bauen MUSS. Dass Baugrund effektiv genutzt werden sollte, sehe ich noch ein, aber was bringt das, wenn 1 Mensch ein riesiges Haus bauen muss. Da wohnt ja dann auch nur einer. Wäre es nicht sinnvoller, dass einer alleine nicht so viel Grund kaufen kann bzw nicht einer alleine so groß bauen darf? Sollte man nicht eher die Wohnfläche pro Person einschränken? Nicht, dass ich das unbedingt wollen würde, aber so würde ich eine Sinnhaftigkeit in diesem Konzept sehen. Es erschließt sich mir einfach nicht.
Aber so sind die Gesetze nun mal, und ich muss mich daran halten. Ich weiß, dass viele Tiny House Besitzer es darauf anlegen und ihr Haus einfach mal wo aufstellen und hoffen, dass sie nicht angezeigt werden. Das war aber absolut keine Option für mich. Ich möchte mit gutem Gefühl dort wohnen. Außerdem brauche ich ja einen Hauptwohnsitz. Meine Tochter und ich müssen ja wo gemeldet sein. Und es geht auch nicht, wie auch viel andere machen, dass ich uns halt bei irgendjemanden anmelde, weil meine Tochter ja noch zur Schule geht. Das sollte schon alles Hand und Fuß haben.
Mit der Bebauungsdichte war es aber auch noch nicht getan. Es gibt auch noch Bebauungspläne. Die sind auch wieder von Bundesland zu Bundesland und Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Da steht dann genau drin, wie man bauen muss. Wie das Haus aussehen muss, wie es stehen muss, welche Dachneigung es haben muss, welche Farben Wände und Dach haben müssen, wie viele Stockwerke man haben darf oder haben muss, wie viele Socken man am 14. Juni zwischen 11 und 14 Uhr südseitig bei halbbedecktem Himmel und leichtem Ostwind auf einem mit 4 geprüften Gütesiegeln versehenen Wäscheständer aufhängen darf. Versteht mich nicht falsch, aber was ist denn da bloß los? Vor allem, wenn man dann sieht, was betuchte Menschen so alles in die Landschaft bauen dürfen.
Es gibt also Bauordungen und Raumordnungsgesetze, die extrem stark variieren. Jetzt gilt es also ein möglichst kleines Grundstück zu finden, in einer Gemeinde mit einem humanen Bebauungsplan. Das wird doch ein Klacks.

Man muss Unmögliches verlangen, um das Mögliche zu erreichen - Otto von Bismarck

Als erstes suchte ich natürlich im Internet. Auf verschiedenen Immobilienseiten und Second Hand Börsen, wie Willhaben und Co. Ich habe alle Immobilienfirmen und Makler weit um abgeklappert und saß stundenlang am Telefon. Ich schaltete auch Annoncen in Zeitungen. Es erschien hier wirklich hoffnungslos. Ich suchte in einem immer größeren Umkreis, auch in anderen Bundesländern. In Niederösterreich gibt es ein eigenes Gesetz. Da gibt es Kleingartensiedlungen, wo man auch einen Hauptwohnsitz anmelden darf. Es entstehen so Siedlungen mit Grundstücken um die 300qm, wo dann meist ein möglichst großes Haus drauf steht. Alle sind sie auch voll unterkellert, damit man an Wohnfläche raus holt, was nur geht. Eines neben dem anderen, fein säuberlich aufgereiht. Diese Grundstücke sind zu pachten, meistens für eine bestimmte Anzahl an Jahren. Das gefiel mir nicht so gut. Was, wenn dann nach 10  Jahren der Pachtvertrag ausläuft?
Ich fand 2 oder 3 Campingplätze, wo man dauercampen durfte. Aber die hatten bereits unglaubliche Wartelisten.
Außerdem wollte meine Tochter auch nicht so weit weg von ihrem Umfeld und ihren Freunden. Ich bin da sehr flexibel. Ich wäre sofort wo hingezogen, wo nicht so viele Berge sind, wie hier, hinter denen das halbe Jahr die Sonne viel zu oft verschwindet.
Aber ich habe mich sehr gefreut, dass meine Tochter sofort damit einverstanden war, dass wir ausziehen und uns ein Tiny House bauen. Sie hätte mir ja auch einen Baum aufstellen können. Ich wollte sie nicht unglücklich machen. Also musste ich weiter hier in der Gegend suchen.
Ich hatte mich auch weiterhin mit Raumordnungen auseinandergesetzt und dann fiel mir mit Hilfe einer kompetenten Person die Lösung ein. Meine Tochter baut dann auf das Baugrundstück irgendwann ein eigenes Haus dazu. Es würde aber gleich mit geplant werden. Somit würde ich mit den zwei geplanten Häusern auf die erforderliche Bebauungsdichte kommen. Solange der restliche Bebauungsplan nicht zu streng war, könnte das klappen.
So fand ich dann ein sonniges, erschwingliches Grundstück mit leichter Hanglage und einer Fläche von 703qm in einer nahegelegenen Gemeinde. Der Bürgermeister war mir wohl gesonnen und sehr aufgeschlossen, was dieses Konzept angeht. Ich war bei extrem vielen Gemeindeämtern und Bürgermeistern, die Meisten sind aber sehr engstirnig und haben null Interesse an solchen Wohnformen.



Auch die Banken wollen so etwas nicht gerne finanziell unterstützen, es gibt zu wenige Erfahrungen damit. Darum habe ich dann auch zu einer Verständnisvolleren wechseln müssen, obwohl ich bei meiner Bank schon 20 Jahre Kunde war und immer alles gepasst hat. Ich hatte nur wenig Geld auf der Seite, da wir ja das Haus gekauft und renoviert hatten, lief jeder Cent da rein. Aber diese Bank hatte da ja eh die Hand drauf. Wir haben es auch über diese Bank verkaufen wollen und so wussten sie eigentlich, was ich nach dem Verkauf an Eigenmitteln zur Verfügung haben würde. Ich konnte ja schlecht zuerst das Haus verkaufen und dann mit der Grundstücksuche und dem Bau anfangen. Wo sollte ich dann in der Zwischenzeit wohnen, bis mein Tiny fertig ist? Endlich hatte ich ein Grundstück gefunden, und dann das Nein von der Bank. Ich hatte aber natürlich vor der ganzen Suche mit ihnen Absprache gehalten und wir haben überlegt, welche Summe denn möglich wäre. Als es dann ernst wurde, haben sie mich plötzlich voll hängen lassen. Naja, es war ein Rückschlag, den ich aber auch überwinden konnte.

Eines Tages wirst du dir danken, dass du nicht aufgegeben hast!

Die tollen Steine auf meinem Weg sollten nicht weniger werden, davon erzähle ich euch aber gerne in meinen nächsten Einträgen.


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