Ich gebe es zu, ich habe mich geirrt.
Ich lief mein Leben lang einer Vorstellung nach, die ja
eigentlich gar nicht meine war. Sie wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt, in
der Schule dann verfestigt und später durch mein gesamtes Umfeld eindrucksvoll
vorgelebt. Als gäbe es nur einen einzigen Weg um wirklich glücklich und
zufrieden zu sein.
Zu aller erst muss man mal gute Noten in der Schule
schaffen. Dann muss man eine gute Ausbildung machen, am besten in einem Beruf,
in dem man nicht wirklich körperlich arbeiten muss; es ist aber eher unwichtig,
ob es in einem Bereich ist, der einen interessiert, oder in dem man vielleicht
Talent hat. Hauptsache man wird erfolgreich und verdient möglichst viel Geld,
damit man sich möglichst viel kaufen kann. Zwischendurch muss man sich einen
perfekten Partner suchen, mit dem man dann für immer und ewig glücklich ist,
oder zumindest trotzdem zusammen bleibt. So ein oder zwei Kinder gehören auch
dazu. Aber ja nicht vergessen, viele Dinge zu kaufen: „Man gönnt sich ja sonst
nichts.“ Und wer richtig viel hat, der muss zwangsläufig super zufrieden und
glücklich sein.
Glücklich ist nicht der, der viel hat, sondern der, der wenig braucht.
So, nun habe ich schon mal von hinten angefangen. Die
Schulzeit war hart zu mir, ich habe auch die Sinnhaftigkeit so vieler Lernziele
nicht verstanden. Wann in meinem Leben sollte ich dieses oder jenes jemals
wieder brauchen? Meine Noten waren im guten Durchschnitt, zu mehr konnte ich
mich nicht motivieren.
Ich hatte einige Interessen und Vorstellungen, was ich gerne
mal beruflich machen wollte, aber leider blieb mir das verwehrt, so sollte ich
eine weiterführende Schule machen und danach am besten Bankkauffrau werden. Es
war wirklich meine absolute Horrorvorstellung. Für mich war es einfach nicht
das Richtige, das konnte ich spüren.
Ich brach aus und versuchte meinen Weg zu finden, aber nicht
wirklich lange, da mir mein tolles Söhnchen einen Strich durch die Rechnung
machte- ich wurde mit 16 schwanger mit ihm.
Somit waren meine weiteren Möglichkeiten schon ziemlich
eingeschränkt.
Ich arbeitete in verschiedenen Bereichen, was auch immer
sich mit der Kinderbetreuung vereinbaren ließ. Nach wie vor war mein Ziel,
genug zu verdienen, um meinem Sohn und mir all die schönen Dinge zu kaufen.
Es folgten langjährige Beziehungen und zwei wundervolle
Töchter.
Natürlich hatte ich immer im Hinterkopf- wie soll ich nur
genug verdienen, um uns glücklich zu machen.
Dabei war ich immer am glücklichsten, wenn ich mit meinen
Kindern in der Natur unterwegs war. Aber die Glocken läuteten noch nicht.
meine wundervollen Kinder, meine Schwiegertochter in spe und ich
Meine letzte Beziehung lief gut, nur eines fehlte uns: wir
wollten unbedingt unsere eigenen vier Wände und vor allem einen Garten! Ein
Stück Natur, das wir gestalten und jederzeit genießen konnten. Wir kauften uns
ein Haus zusammen und renovierten es. Es waren 4 Schlafzimmer, ein Wohnzimmer,
eine Küche, ein Bad, 2 Toiletten, komplett unterkellert, also endlich viel
Platz für uns und vor allem all die tollen Dinge, die wir ein Leben lang
zusammen gesammelt hatten.
Wir kauften Schränke, Regale, Kommoden, immer wieder, um die
ganzen Dinge irgendwo schön übersichtlich unterzubringen. Nur wurde das nichts
mit dem „übersichtlich“. Es war alles einfach nur durcheinander und voll
geräumt. Vielleicht sind andere da konsequenter als ich, aber mich hat es immer
mehr erschlagen, mich um alles zu kümmern.
Meine beiden großen Kinder waren bereits aus dem Haus und
sehr viel Platz im Haus war dadurch die meiste Zeit unbewohnt. Aber man musste
diesen Platz ja trotzdem pflegen, putzen, heizen, erhalten. Nebenbei genug
arbeiten gehen, um genug zu verdienen, um sich noch mehr schöne Dinge zu
kaufen, um sich immer wieder für diese Plackerei zu belohnen.
Ich wurde immer unglücklicher, ich wollte raus aus diesem
Hamsterrad, auch raus aus der Beziehung. Aber ich war gefangen in der
Vorstellung, wie ein glückliches Leben auszusehen hat. Dass man gefälligst
zusammen bleibt, wenn man doch so ein tolles Haus und so viele tolle Sachen
zusammen hat.
Keine Beziehung ist Zeitverschwendung! Wenn sie dir nicht gegeben hat, was du suchst, hat sie dir gezeigt, was du brauchst.
Vor ziemlich genau einem Jahr sah ich mir eher zufällig ein
Video an, wo es um Bäume, Holz und vor allem Holzhäuser ging.
Da wurde ein Tiny House vorgestellt und es traf mich wie ein
Blitz. Es war die berühmte Glühbirne, die in meinem Kopf anging, und somit
sollte das Abenteuer beginnen.
Vielleicht seid ihr ja auch gerade vom Blitz getroffen
worden, oder die Unzufriedenheit schwelt auch schon länger unter eurer Haut.
Ich nehme euch gerne auf diese Reise mit, und werde erzählen, wie ich versuche,
diesen Traum zu erfüllen. Ich werde meine Erfahrungen hier gerne mit euch
teilen. Und wenn ihr meinen Blog abonniert, werdet ihr bestimmt nichts
versäumen.


Der Spruch ist so ziemlich der weiseste, den ich in letzter Zeit gelesen habe! Und er trifft es punktgenau, finde ich! Danke dafür und für deinen Blog. :-)
AntwortenLöschenWollte nicht total anonym hier schreiben - ich heiße Uli und bin auch gerade in einem Veränderungsprozess - sowohl was meine Beziehung anlangt als auch was meine Wohnungssituation betrifft.
LöschenWolfgang
AntwortenLöschenLiebe Anja,
Ich finde mich in grossen Teilen in deinen einleitenden Gedanken wieder. Auch mein Wertesystem wurde so geprägt und bedurfte einer kleinen inneren Revolution um einen anderen Weg zu gehen. Heute folge ich dem Credo „Was braucht es wirklich zum guten Leben“ und die Antwort ist nicht Minimalismus auf Teufel komm raus sondern lustvolle Reduktion auf das wirklich Wesentliche...
Ich lebe mittlerweile in meinem Tiny
Also erstmal meinen vollen Respekt so offen und motiviert an dein Vorhaben ranzugehen! Daumen hoch! Ich finde es mega toll wie du das alles angehst und auch durchziehst! Nicht nur das du dich mit dir , deinem Leben und neuen Perspektiven auseinandersetzt , du bist auch mit Sicherheit ein leuchtendes Beispiel für viele die nur mit ihrem Schicksal hadern , nur davon träumen aber nicht in die Puschen kommen! Du hast hast ja vielleicht auch ein bisschen über unseren Wegzug von Deutschland mitgekriegt und es war damals auch einer dieser Momente wo wir an einem Punkt waren etwas zu verändern! Ich kann nur sagen es war das beste für uns und wir sind hier in Irland und unserer Lebensphilosophie nicht alleine! Ich freue mich für dich und wünsche dir und deiner Familie das sich dein Traum vom Tinyhouse bald erfüllt ! L.g
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