Bauverhandlung und Baubeginn vom Tiny House


Ich hatte das Grundstück gekauft und mir dann von den Zimmereien konkrete Angebote eingeholt. Ich hatte vor, mir den Holzriegelbau aufstellen zu lassen, außen sollten sie gleich die Windschutzplatten rauf machen und das Dach, ich entschied mich für ein Kaltdach, sollte soweit deckungsfertig sein. Also soweit vorbereitet, dass es mein Dachdecker gleich decken kann.
Zuerst setzten wir uns zusammen und planten die Maße genau durch. Das Tiny würde auf Punktfundamente gesetzt werden.
Da aber auf meinem Grundstück von der Wildbach, sie ist eine Art staatliche Behörde oder Dienststelle, eine gelbe Zone verordnet wurde, also eine leichte Gefahrenzone für Überschwemmungen, musste ich nochmal spezielle Vorschriften einhalten. Irgendwo oberhalb gab es einen Bach, der vor über 50 Jahren mal etwas übergelaufen ist. Er wurde zwar vor Jahren ausgebaut, aber wenn die Wildbach mal wo eine gelbe Zone eingetragen hat, nimmt sie sie nicht mehr so leicht raus. Auf jeden Fall hieß es, dass ich auf der Berg-zugewandten Seite keine Eingänge machen darf und die Fenster auch erst ab einer gewissen Höhe sein dürfen. Außerdem müsste ich als Schutz hinten eine Betonmauer entlang meines Holzhäuschens ziehen, die ich auch links und rechts nach vorne ziehen muss. Ein einbetoniertes Holzhäuschen? Das gefiel mir natürlich gar nicht. Also kam ich auf die Idee, meine Punktfundamente einfach dementsprechend weit aus der Erde ragen zu lassen, damit etwaiges Wasser, unter meinem Haus durchfließen könnte. Nach längerem überlegen willigte der Herr Ingenieur von der Wildbach ein. Hätte ich es nämlich nicht nach dem Willen der Wildbach machen wollen, hätte ich keine Baugenehmigung bekommen. Da kommt man nicht aus.
So, wieder eine Hürde erst mal überwunden.
Der Architekt von meiner beauftragten Zimmerei machte mir den Einreichplan. Einen genauen Bauplan, den ich bei der Gemeinde mit allen Anträgen einreichen musste, damit ich mal überhaupt eine Bauverhandlung bekam. Wir planten eben gleich das Haus für meine Tochter dazu.
Da ja gerade Sommer und Urlaubszeit war, dauerte das Ganze wirklich Wochen. Zuerst hatte der Architekt Urlaub, dann hatte ich irgendwann endlich alles beisammen und reichte es bei der zuständigen Baubehörde ein, da hatten die zuständigen Herren dort wieder Urlaub. Es war wirklich sehr mühsam. Irgendwann stand dann endlich der Termin für die Bauverhandlung. Mit dem Architekten steckte ich vorher noch genau ab, wo was geplant war.


Ein Herr von der Baubehörde, der zuständige Sachverständige und der Herr Bürgermeister kamen, und sämtliche Nachbarn waren geladen. Der Rauchfangkehrer und die von der Wildbach wären auch geladen gewesen. Eine Nachbarin hatte keine Freude mit meinem Häuschen, aber alle anderen waren sehr nett und so wurde mir die Bauerlaubnis erteilt. Jipiii
Der Bebauungsplan ist dort sehr human. Man muss innerhalb von 5 Jahren mit dem Bau von mindestens einem der kommissionierten Häusern „beginnen.“ Bei mir sind das das Tiny House, das Gartenhaus und das geplante Haus meiner Tochter. Wann was fertig wird, oder ob es irgendwann gebaut wird, ist egal. Ich muss auch z.B. keine Giebelrichtung einhalten, nur das Dach muss gleich gedeckt sein, wie die der Nachbarn, also in anthrazit. Ein Satteldach wurde mir vorgeschrieben, aber das wollte ich sowieso.
Mein Grundstück ist mitten unter anderen, großen Häusern, aber ich habe mein Tiny so platziert, dass ich überall vorbei sehe. Da es ja sozusagen auf Stelzen steht, stecke ich auch nicht so mitten unten. Die leichte Hanglage trägt ihr übriges dazu bei. Aber das war das beste Grundstück, das ich halt finden konnte, und wo es auch möglich war, dieses ungewöhnliche Projekt zu verwirklichen.

Endlich rührt sich was, dachte ich. Mein naiver Gedanke war, dass die bei der Zimmerei jetzt endlich anfangen, und schon mal die Wände vorbereiten. Die wären dann ja in 2 Tagen aufgestellt, meinten sie. Falsch gedacht. Erst sollte mal der Bagger kommen und alles soweit fertig machen, dann kämen sie mal „Naturmaß“ nehmen und danach würden sie mal anfangen. Sie hätten aber gerade jetzt im Herbst schon sehr viel zu tun. Na toll... Das Ganze zog sich jetzt schon über Monate und es war noch nichts Sichtbares passiert.
Natürlich war auch der Bagger zu dieser Zeit ausgebucht, da ja jeder vorm Winter noch fertig werden wollte. Es war eine extreme Nervenprobe. Zu dieser Zeit war ich doch schon etwas verzweifelt, da wir ja parallel das Haus verkauften und ich dann ja bald ausziehen musste.
Der Baggerfahrer machte seine Arbeit gut und so passte beim Naturmaß nehmen alles und die Zimmerei konnte loslegen. Natürlich dauerte das auch wieder Wochen und der Winter stand vor der Tür.







Wir hatten in der Zwischenzeit das Gartenhaus aufgebaut. Ebenfalls auf erhöhten Punktfundamenten, denn anscheinend darf auch ein Gartenhäuschen nicht auf der Erde stehen, wenn die Erde eine gelbe Zone ist. Ich konnte dann schon mal viele Schachteln und Dinge, die ich nicht täglich brauchte, in dieses Häuschen räumen. Es war schnell voll. Es gab mir aber etwas Zuversicht, weil ich endlich Sachen aus dem verkauften Haus räumen konnte.








Nach wie vor war ich täglich damit beschäftigt, die ganzen Dinge auszusortieren. Was unglaublich viel Zeit in Anspruch nahm, war, die Dinge loszuwerden, die ich nicht mehr haben wollte. Sehr vieles habe ich verkaufen können. Aber das braucht auch viel Zeit und Geduld. Zuerst sehr oft den Zustand verbessern, sauber machen oder reparieren. Dann fotografieren, einen guten Text schreiben, es genau beschreiben. Bei sämtlichen Second Hand Börsen einstellen, dort auch immer wieder aktualisieren und dann die Verhandlungen und Schriftwechsel mit den Interessenten und Käufern, die man dann ja auch treffen muss. Oder man soll etwas verschicken. Oft war es schon eine Herausforderung erst mal eine passende Verpackung zu finden. Viele Dinge habe ich verschenkt - so es denn jemand haben wollte. Sogar bei der Caritas wollten sie voll funktionierende Geräte nicht. Wir sind so oft mit vollen Autos zur Mülldeponie gefahren. Und nein, ich war wirklich kein Messie!
Es wurde immer kälter, die Berge wurden weiß und meine Geduld war langsam aufgebraucht. Bei der Zimmerei sagten sie monatelang:“so ein kleines Häuschen geht ganz schnell.“ Als ich dann in der Bauphase einmal nachfragte, wie lange es denn noch dauern würde, sagten sie:“na, so schnell geht das nicht.“ Was soll ich noch sagen. Ich musste bald aus dem Haus und in meinen Fingern kribbelte es, ich wollte endlich loslegen. Sobald es einmal stehen würde, könnte ich endlich was daran machen. Was dann aber noch so daher kommen würde, wusste ich da ja noch nicht.
Beim nächsten Eintrag erzähle ich euch gerne weiter davon.

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