Minimalismus für das Tiny House



Was macht ein Tiny House aus? Für mich in erster Linie, dass man sich vom unnötigen Ballast befreit und endlich freier leben kann.
Wie ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe, wurde mir alles viel zu viel. All die tausenden Dinge haben mich erschlagen, die vielen Räume sauber zu halten, hat mich unglaublich genervt. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen putzen und ich räume wirklich gerne auf, ich mag es sauber und ordentlich. Aber wenn man so viel Platz und so viele Sachen hat, artet das schnell in Arbeit aus. Und da ich ja auch einen Beruf und Kinder habe, auch viele Interessen und Hobbys, und sowieso am liebsten draußen unterwegs bin, hat mich die Hausarbeit schlichtweg überfordert.
Jetzt hatte ich ja hoffentlich einen Ausweg gefunden. Weniger Platz, weniger Dinge, weniger Arbeit. Ups- weniger Dinge?? Noch nicht so wirklich.

Kauf weniger ein, dann brauchst du weniger Geld, dann musst du weniger arbeiten und hast mehr Zeit für dich selbst.

Ich versuchte eine ganze Weile zu beobachten, wie viel Platz ich im Haus wirklich nutzte, und welche Dinge ich wirklich brauchte und mochte. Ich bemerkte, dass ich die meisten Räume nur betrat, um etwas raus zu holen, rein zu legen, oder um ihn z.B. zu saugen. Ich nutzte die Küche am meisten, um zu kochen oder am Küchentisch zu sitzen, entweder mit meiner Familie oder alleine. Wohnzimmer brauchte ich eigentlich gar nicht. Ja, Bad und Toilette sind notwendig, da geht man rein, erledigt, was zu erledigen ist, und geht wieder raus. Wieso braucht man dazu so viel Platz? Genau so im Schlafzimmer. Es war ein so großer Raum, und es stand gerade mal ein Bett drin. Man geht rein, legt sich hin, schläft, steht auf und geht wieder raus. Dafür so viel Raum? (Okay, das hat sich jetzt ein bisschen traurig angehört. Ich habe natürlich auch nicht nur geschlafen, aber viel Platz habe ich dazu auch noch nie gebraucht.)
Auch meine Tochter war immer in meiner Nähe, ihr Zimmer nutzte sie auch nur zum schlafen, oder um ihre Spielsachen vom Flur aus rein zu werfen, wenn ich sagte, dass sie es in ihr Zimmer bringen soll.
Also Platz brauche ich nicht viel zum leben. Check
Wie sieht es nun mit den extrem vielen Dingen aus, die vor zwei Generationen sicher für mindestens 14 Familien gereicht hätten?
Wir sind ja dem Irrtum aufgesessen, dass man möglichst viel besitzen sollte. Und dass man auch alles haben muss. Wie wird man das alles nun wieder los?
Ich fing im Keller an. Als erstes nahm ich mir eine Schachtel nach der anderen vor. Gefüllt mit Dingen, die ich teilweise schon seit 35 Jahren mit mir rumschleppe. „Schleppen“ trifft es wirklich, da ich schon mehrfach umgezogen bin, kann ich das sagen. Ich war super motiviert und die Dinge wurden rasch immer weniger, dachte ich. Was aber irgendwie zeitgleich immer mehr wurde, waren die Dinge, die aus allen Ritzen quollen und die ich noch sortieren musste. Nach ein paar Wochen hatte ich wirklich das Gefühl, dass das niemals enden würde.
Meinen Eltern wurde von ihren Eltern eindringlich beigebracht, dass man nichts weg wirft. Irgendwann braucht man es ja vielleicht. Mein Vater hebt jede Schraube und jede Beilagscheibe auf, die irgendwo liegt. Sicher, er hat auch jede Schraube, die man vielleicht brauchen könnte. Und diese Einstellung haben sie mir natürlich weiter gegeben. Früher war das bestimmt sinnvoll, heute aber eher nicht mehr. Man hortet Dinge, von denen man gar nicht mehr weiß, oder man findet sie nicht mehr und kauft es erst wieder neu. Früher hatte man auch nicht so einen leichten Zugang zu allem, geschweige den das Geld dafür.
Ich habe 3 Kinder, und ein riesiger Teil ihrer Habseligkeiten lagerte bei mir. Auch ihre ganzen Schulsachen, Zeichnungen, Basteleien und Spielsachen. Das war mitunter das Schwierigste beim sortieren. Aber ich habe es in Absprache mit meinen Kindern gemacht und es hat mich erstaunt, wie rigoros sie beim aussortieren waren.



 Ich bin auf die tolle Aufräumexpertin Marie Kondo gestoßen und habe mir ihr berühmtes Buch gekauft. Es gibt auch hilfreiche Videos zu ihrer Aufräum.- und Aussortiermethode im Internet zu finden. Man muss es vielleicht nicht unbedingt in ihrer vorgeschlagenen Reihenfolge machen, aber es motiviert schon extrem. Ihre Devise ist, dass man jedes einzelne Stück, das man besitzt, in die Hand nimmt und fühlt, ob es einem Freude macht, oder nicht. So wird man dann beim aussortieren ziemlich schnell. Und das Beste daran ist, dass man am Ende nur noch Dinge hat, die einem Freude machen, die man mag und die man braucht. Es umgeben einem nur noch Dinge, die einen glücklich machen. Das ist doch eine tolle Aussicht!

Minimalism- because the best things in life are not things

Ich möchte euch noch warnen- wenn ihr auch solche Sammler seid, wie ich es war, dann plant mal ein paar Monate ein dafür. Es hat mir unglaublich viele Stunden und Nerven gekostet. Ich habe alles auch gleich schön sortiert und passend zusammen gepackt. Zwischendurch dachte ich oft, dass ich niemals fertig werde. Und ich weiß, dass bestimmt noch einiges von den übrig gebliebenen Dingen in den nächsten Monaten und Jahren weg kommt. Mit der Zeit fängt man das Aussortieren echt an zu lieben! Plötzlich weiß man genau, was man besitzt und man findet es gleich. Das ist so herrlich! Ich habe es mein Leben lang gehasst, wenn ich etwas nicht gefunden habe. Aber auf die Idee, einfach mal alles zu reduzieren, bin ich jetzt erst gekommen. Ich dachte immer, ich muss es nur besser organisieren und noch mehr Schränke kaufen. Das hat bei mir aber nicht funktioniert.
Da ich mich sehr gerne kreativ betätige, und ich auch wahnsinnig gerne Figuren modelliere, habe ich viele Dinge dafür. Das alles in einem Tiny House unter zu bringen erschien mir doch unmöglich. Aber meine Leidenschaft aufzugeben, kam auch nicht infrage. Also entschied ich, dass ich mir neben dem Tiny auch ein Gartenhaus aufstelle. 3x3m würden ausreichen. Ein Schrank und einige Regale, dazu ein Tisch um zu werkeln, würden darin Platz finden. Den meisten Dingen würde Frost nichts ausmachen und der kleine Rest muss dann halt irgendwo im Tiny Unterschlupf finden.

                ein Teil davon              

So, wie ging es nun weiter? Wann ging es denn nun wirklich endlich mit dem Tiny House los? Das erzähle ich euch in meinem nächsten Eintrag. Seid ihr auch so unglaublich ungeduldig wie ich? Ja, geduldiger zu werden, lernt man bei so einem Projekt, glaubt mir.





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