Startschuss für mein Tiny House



 Nichts macht so viel Angst wie Veränderungen. Und nichts bietet mehr Chancen.

Endlich war es soweit! Am 29.11. wurde mein Tiny House aufgebaut. Die Zimmerer mussten den Hänger mit den vorbereiteten Wandteilen mit Hilfe eines Traktors herfahren, da die Straße nicht für so große LKW's ausgelegt war. Das Grundgerüste war in wenigen Stunden aufgestellt. Ich konnte gar nicht glauben, wie klein es doch war. Mein Nachbar hat eine Gartenhütte, die eigentlich genau gleich groß aussieht, wie mein Wohnhaus. Leichtes Bauchkribbeln stieg in mir hoch. War das wirklich ausreichend? Wenn die Möbel drin sind, kann ich genau 4 Schritte gehen und stehe an der Wand an. Aber ich glaube, das ist normal. Wenn man ungewöhnliche Dinge macht, können schon mal Zweifel aufkommen.
Vor allem verunsicherte mich mein Umfeld extrem.
Meine Arbeitskollegen konnten es zuerst gar nicht glauben, dass ich das wirklich mache. Als ich dann ein Grundstück gekauft habe, konnten sie es noch viel weniger glauben. „Sie macht es ja wirklich!“ Hihi... Vor allem die männlichen Kollegen zweifelten offensichtlich daran, dass eine Frau alleine so etwas schaffen könnte.
Immer wieder wurde nachgefragt:“Wie groß?“,“Wie will man so leben?“,“Ich würde Platzangst bekommen!“,“Wirst sehen, da kommen so viele Probleme und Zusatzkosten auf dich zu, das ist ganz normal“,“Was? So willst du das machen? Hmm...“,“Eh interessant, aber für mich wäre das nichts!“ Das war sowieso die häufigste Aussage: „Für mich wäre das nichts.“ Ja, es kann auch nicht alles für jeden etwas sein. Für mich wäre es nichts, wenn ich noch immer im gleichen Haus wie meine Eltern leben müsste. Aber für andere ist das das Richtige. Für mich wäre es auch nichts, wenn ich extra um 5 Uhr Früh aufstehen würde, um die Unterhosen meines Mannes zu bügeln. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht für wen anderen richtig ist.
Ich lebe am Land und glaubt mir, hier ist es absolute Pionierarbeit, so ein Projekt zu erklären und durchzuführen.

Wenn du für etwas brennst, und niemand versteht warum, dann lösche nicht dein Feuer, sondern brenne heller, auch wenn es nur für dich ist.




Es hat schon einige Tage gedauert, bis die Zimmerer fertig waren. Wir hatten uns dann extra Urlaub genommen, um los zu starten. Zuerst sollte natürlich das Dach rauf und die Fenster rein. Mein Dachdecker, hatte entweder vergessen mein Dachmaterial zu bestellen, oder es war, wie er sagte; Es wäre das falsche Material gekommen. Hm, wohl eher nicht. Somit brauchte es nochmal 2 Wochen, bis er mit dem Material an kam. Das heißt jetzt aber nicht, dass das Dach dann auch gleich gedeckt wurde. Nein, wie kann man so etwas denn erwarten.
In der Zwischenzeit haben wir die Fenster eingebaut. Die Fenster, deren Bestellung storniert worden war. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe alle Fenster und die Eingangstür, die aus einer doppelflügeligen Balkontür bestehen sollte, bereits 2 Monate zuvor bestellen lassen.
Fenster werden so gut wie nicht mehr auf Lager produziert, sondern nur mehr auf Maß und nach direkter Bestellung. Darum dauert es meistens mindestens 8 Wochen, bis man sie bekommt. Nachdem ich die Fenster also bestellt hatte, habe ich erfahren, dass die Balkontüre und die Fenster in Deutschland produziert werden und die dort bei der Türe kein Sicherheitsglas einbauen, außer man bestellt sie extra. Okay? In Österreich ist bei Türen Sicherheitsglas vorgeschrieben. Also zurück gerudert und die Balkontüre stornieren. Es wurde dann aber im Hintergrund unbedacht meine komplette Bestellung storniert, was ich erst in der Woche, wo sie geliefert werden sollten, erfahren habe. Na ganz toll! Ich musste also auf die kleine Auswahl an Lagerware zurückgreifen, sonst würde ich nochmal 2 Monate warten müssen. Ich hatte so aber nicht die gleichen Maße bekommen und die Zimmerei musste die Fensterausschnitte dementsprechend verändern. Das war  aber nur möglich, wenn ich kleinere Fenster nehme. Andersrum wäre es eine Katastrophe gewesen. Dabei musste ich alleine wegen den Fensterausschnitten im Vorfeld schon drei mal zur Zimmerei. Immer wieder wurde von ihnen etwas falsch eingerechnet. Man muss ja zum Fensteraußenmaß rundherum 1,5cm für das Einbauen dazu rechnen und unten nochmal zusätzlich 3cm für dieses Fensterbrett-Anschlussteil, das unten auf das Fenster geklippst wird. Eigentlich wollte ich das gar nicht unbedingt, aber anscheinend braucht man das unbedingt. Dieses verdammte Teil hat mir später noch sehr großen Ärger bereitet.
Die Balkontüre hatte ich dann von einem anderen Fensteranbieter bestellen und einbauen lassen. Das hat sich auch um 3 Wochen verzögert.




Die meisten Handwerker sind so ausgebucht, dass man immer Wochen dazu rechnen muss, wenn sie sagen, sie kommen dort oder da. Oder vielleicht ist das auch nur bei mir so, und überall anders kommen sie sofort?
Braucht ihr eine Pause, oder kann ich weiter erzählen?
Mittlerweile war der Verkauf des alten Hauses soweit erledigt. Das hat eh nur von der ersten bis zur endgültigen Unterschrift 14 Wochen gedauert. Die Käufer bekamen einfach keine schriftliche Finanzierungszusage, und da wir aber ihr Angebot unterzeichnet hatten, war das wie ein Vorvertrag, aus dem wir auch nicht so einfach wieder aussteigen konnten. Eine sehr nervenaufreibende Zeit. Ich wusste, dass ich gleich ausziehen muss, sobald sie die Zusage haben. Sie brauchten das Haus nämlich dringend, weil sie auch aus ihrem Mietshaus ausziehen mussten. Ich hab nicht wirklich gut geschlafen in dieser Zeit. Und parallel in eine Wohnung zu ziehen war finanziell nicht möglich. Mein Exfreund war im Sommer ausgezogen und ich musste alleine für alle Kosten dieses Hauses aufkommen. Dazu zahlte ich ja auch schon für das Tiny House, das noch gar nicht stand. Nebenbei noch für eine Wohnung zu zahlen, war unmöglich.
Am 12.12. wurde kurzfristig der endgültige Vertrag unterschrieben und am 20.12. musste ich draußen sein. Ich war so gut wie alleine beim siedeln und 16 Stunden am Tag nur schleppen und räumen die Regel. Ich bin da wirklich an meine Grenzen gegangen. Ein langjähriger Freund war so nett, und stellte meiner Tochter und mir seine Wohnung zur Verfügung. Wir konnten so lange bleiben, wie wir sie brauchten. Die Rettung in der Not!
Ich war unglaublich dankbar für diese Hilfe, echt! Aber in der Wohnung von jemandem anderen zu leben, ist trotzdem, wie irgendwo andauernd auf Besuch zu sein. Man kann ja nicht so schalten und walten, wie in den eigenen vier Wänden. Ich hatte andauernd nur Angst, das irgendetwas kaputt geht.
Der Schnee kam und Weihnachten verbrachten wir auf der Couch. Oh mann, wie sehr ich das nötig hatte. Nach den Feiertagen starteten wir voll durch, davon könnt ihr dann im nächsten Eintrag lesen.


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